Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege des Landes Mecklenburg-Vorpommern

Projekt Organisationsentwicklung

Experimentelle Erforschung diskursorientierter Führungskultur in der Landespolizei M-V als wirksame Reaktion auf Phänomene normabweichenden Verhaltens

Normabweichendes Verhalten in einem frühen Stadium zu erkennen, in seiner Entwicklung zu verstehen und diesem wirksam zu begegnen, ist eine wichtige polizeiliche Aufgabe. Da normabweichendes Verhalten keineswegs nur auf das Verhalten eines Einzelnen reduziert werden kann, sondern stets auch auf Ursachen im sozialen Miteinander (Sozialstrukturen) zurückgeführt werden muss, ist das Forschungsprojekt interdisziplinär ausgerichtet. Führung in der Polizei soll - so das Ziel - im Bereich der Prävention und Intervention evidenzbasiert unterstützt werden. Es gilt, polizeiliche Führungskräfte mit Kompetenzen auszustatten, die sie befähigen, die individuell wahrgenommenen Führungswirklichkeiten aus einer Meta-Ebene zu deuten und in wirksame Interventionsstrategien zu überführen. Hierbei geht es um vier zentrale Forschungsfragen:

  1. Warum werden Normen gebrochen?
    Wieso verlieren in sozialen Gruppen (Teams, Unternehmen, Institutionen, Behörden) zunächst akzeptierte rechtliche und soziale Normen im Kontext von Problemlöseprozessen an Bedeutung? Wann kippt das Entscheidungsverhalten?

  2. Können Normverschiebungen in Gruppen mit bekannten Theorien aus der Sozialwissenschaft schlüssig erklärt und Faktoren, welche dieses Geschehen begünstigen oder hemmen, identifiziert werden?

  3. Lassen sich Interventionen konzipieren, mittels derer Führungsverantwortliche auf selbstregulatorische Kontrollprozesse in Gruppen Einfluss nehmen und die Resilienz der Gruppe gegen unerwünschte Normveränderungen stärken können (Prävention)?

  4. Welche Kompetenzen müssen Führungskräfte erwerben, um Normverletzungen wirksam und nachhaltig entgegenwirken zu können (Hilfe zur Selbsthilfe)?

Das Forschungsprojekt soll auf die Kommunikation in Gruppen (Sozialsysteme) ausgerichtet werden. Zur wissenschaftstheoretischen Fundierung wird im Wesentlichen die Theorie sozialer Systeme nach Luhmann herangezogen und als Ausgangspunkt auf das zu untersuchende Feld angewendet. Im Ergebnis sollen programmatische Vorschläge für die künftige Aus- und Fortbildung von Führungskräften in der Landespolizei im Besonderen und für die Organisationsentwicklung im Allgemeinen gegeben werden


Projektleitung:

Dr. Norbert Jochens
n.jochens@fh-guestrow.de
03843 283-320


Weitere Ansprechpartner/-innen:

Mitwirkung:
 
Dr. Wolfram Karg
Henriette Bohn
Dirk Villanyi
FHöVPR M-V
Heiko Tesch
Ronny Steffenhagen
Landespolizei M-V
Kooperationspartner:
 
Dr. Frank Vogel
Justiz M-V
Prof. Dr. Stefan Harrendorf
Universität Greifswald


Veröffentlichungen:

Jochens, Norbert (2020): KURS & KOMPASS – ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zu Regelabweichungen in (Polizei-)Organisationen. In: Backstein Winter 2020. Güstrow: Hochschulzeitschrift der FHöVPR-M-V

Jochens, Norbert/ Vogel, Frank (2021): Praxisforschungsprojekt: Diskursorientierte Führungskultur & normabweichendes Verhalten. In: Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse: Möglichkeiten und Wege der Gestaltung für die öffentliche Verwaltung, Schriften des Praxis- und Forschungsnetzwerks der Hochschulen für den öffentlichen Dienst. Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft

Jochens, Norbert/ Vogel, Frank/ Steffenhagen, Ronny (2020): Phänomene normabweichenden Verhaltens in Polizeiorganisationen: Organisational brauchbare und eigennützige Illegalität. In: Polizei und Wissenschaft 4/2020. Frankfurt am Main: Verlag für Polizeiwissenschaft


Materialien:

Poster zum Forschungsprojekt